Specials - Editorial
Mittwoch, 01. September 2010

Liebe Leserin,

wieder konfrontieren Sie mich mit einer Frage, die sehr persönlich wird: TYPISCH FRAU? Wann wurde Ihnen zum letzten Mal – ob ernst oder mit Augenzwinkern – dieses "Typisch Frau!" entgegengebracht? Ich muss schon sehr lange nachdenken. Und das stimmt mich nachdenklich! Bin ich etwa keine "echte Frau"? Tatsächlich erfülle ich wohl immer weniger Klischees. Und doch fühle ich mich sehr selbstbewusst als Frau, habe nicht die Ambition, ein "besserer Mann" zu werden. Der Monat wird spannend – auch für mich persönlich …

 

Was macht uns zur Frau? Gibt es speziell weibliche Verhaltensweisen? Äußerlichkeiten, die uns zur typischen Frau machen? Ist jede Frau dazu bestimmt, Mutter zu werden? Sind es die Schuhe? Der Perfektionismus? Die "soft skills"? Gibt es speziell weibliche Eigenarten? Harmoniebedürftigkeit? Heim und Herd? Was ist der Kern des Frauseins? Können wir wirklich nicht Einparken? Und warum gibt es so wenig Frauen in Führungspositionen?

Da fällt mir eine Anekdote ein: Jeden Monat treffe ich mich in einem Café mit unserem Quotenmann zur Themenplanung für die nächste Ausgabe. Unsere hitzigen Diskussionen und die kreative Arbeit wird immer mit Interesse beäugt und ab und zu fragt uns auch mal jemand, was wir denn machen. Und immer wieder unterstellt man (Mann und Frau), dass der Autor der Chefredakteur und ich seine Mitarbeiterin bin …

Und damit sind wir bei der immer wieder großen Frage: Werden wir als Frauen geboren oder sind die typisch weiblichen Klischees und Rollenmuster antrainiert und anerzogen? Die Frau als Beziehungshüterin, der Mann als der Kämpfer um die überlebenswichtigen Ressourcen?? Na ja. Die Trennung in Sex (= biologisches Geschlecht) und Gender (= soziales Geschlecht) ist in der Zwischenzeit ja in den meisten Köpfen angekommen. Oder doch nicht? Meine Rechtschreibprüfung jedenfalls kannte den Begriff des Gender bis eben nicht.

Es wird ein spannender Monat. Fragen über Fragen, der Blick auf Frauen und Männer, einige erfüllte Klischees und öfter mal ein Augenzwinkern – wie ava eben immer so ist.

Aber auch der Biologie und der Medizin wollen wir uns diesen Monat annähern. Denn abseits der emanzipatorischen Frage existieren durchaus einige Eigenheiten des weiblichen Körpers. Da ist die Sache mit den Hormonen. Ach, und dann natürlich auch dieses 23. Chromosomenpaar: Frauen haben zwei X-, Männer ein X- und ein Y-Chromosom. Doch macht das wirklich einen Unterschied – mal abgesehen von den Geschlechtsmerkmalen?

Typisch Frau? Selbst die Klischees sind sich nicht einig: Von der Heiligen bis zur Hure, von der Mutter bis zur Powerfrau, vom schüchternen Entlein bis zur Diva reichen die Frauenbilder – und das nicht erst neuerdings … Und ich glaube manchmal, typisch Frau ist, keines dieser Klischees völlig zu bedienen. Mit den Rollen zu spielen, wann und wie es uns passt. Typisch Frau ist, von allem ein bisschen zu sein. Ganz nach Alanis Morissette:

"I´m a bitch, I´m a lover, I´m a child, I´m a mother, I´m a sinner, I´m a saint …"

Alles in allem kommt es mir manchmal so vor, als seinen die Unterschiede innerhalb der Geschlechter größer als die zwischen den Geschlechtern. Aber wir werden es sehen, denn der Monat liegt ja erst vor uns. Eine sehr typisch weibliche Eigenschaft habe ich nämlich: die Neugier …

Auf einen spannenden Monat,

Ihre Dorothea Palte
avaChefredakteurin

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