Specials - Editorial
Montag, 01. März 2010

Liebe Leserin,

die ZUKUNFT hat die Menschheit schon immer fasziniert. Mehr noch als die Frage nach dem „Woher?” beschäftigt uns das „Wohin?”. Und so blicken wir in Glaskugeln, legen Karten oder analysieren riesige Datenmengen, um dadurch Erkenntnisse über das Künftige zu gewinnen. Horoskope und Hellseher, Zukunftsforscher, Meteorologen und Steuerschätzer prägen heutzutage unser Bild der ZUKUNFT. Doch es bleibt immer eine Gleichung mit vielen Unbekannten. Wer glaubt schon an den Wetterbericht?


Vereinfacht gesagt, ist die ZUKUNFT ein Zeitpunkt nach der Vergangenheit. Sie beide trennt nur ein flüchtiger Moment, das Jetzt. (Spezielle Relativitätstheorie mal außen vor.) Und eigentlich gibt es sie nicht, DIE ZUKUNFT. Denn wenn man nicht gerade an absolute Determination glaubt, müsste man eigentlich immer von vielen möglichen ZUKÜNFTEN sprechen. Wir haben es selbst in der Hand. Jede Aktion führt zu einer Veränderung … Doch das ist ein bisschen zu viel an Ungewissheit, als dass wir Menschen es ertragen könnten.

So sind Prognose, Planung, Vorhersage auf das Morgen ausgerichtet. Der Wille, zu wissen, was in ZUKUNFT wird, ist manchmal ausgeprägter, als der, die ZUKUNFT tatsächlich zu gestalten. Unser Verhältnis dazu ist zwiespältig; es pendelt zwischen Bangen und Hoffen – und zwischen den Fragen nach dem großen Ganzen und unserem ganz persönlichen kleinen Leben: Klimakatastrophe und Arbeitslosigkeit vs. weltweiter Frieden und privates Glück. Da ist der Wunsch nach ein bisschen Gewissheit verständlich, wie sie Forschungsinstitute mit ihren Wirtschaftsprognosen und -indizes zu geben scheinen. Doch ist die Krise nun morgen vorbei oder nicht? Wirklich wissen werden wir es erst übermorgen.

Neben dem planhaften, auf Erfahrungen und empirischem Wissen basierenden Vorherberechnen, ist das Denken an eine ZUKUNFT auch in einer zweiten Ausprägung allgegenwärtig: der kreativ-künstlerischen. Die erste literarische Auseinandersetzung mit der ZUKUNFT geht schon auf das Jahr 1516 zurück: Thomas Morus´ Utopia, ein philosophischer Dialog zu einer auf rationalen Gleichheitsgrundsätzen und Bildung basierenden Gesellschaft mit demokratischen Grundzügen. Dieses positive Bild einer ZUKUNFT – hinterlegt natürlich mit all den Einwendungen des Skeptikers, warum und wieso so eine Gesellschaft doch gar nicht funktionieren kann – ist so prägend, dass die Utopie als Inbegriff einer besseren ZUKUNFT gilt. Und noch heute wird man bei jedem schönen, positiven ZUKUNFTSszenario gleich einen Schwall an Einwänden hören, warum ein solches Ideal eh nie zu erreichen ist. Aber auch die Angst vor der ZUKUNFT spiegelt sich in Literatur und Filmen wider und scheint uns fast noch mehr zu faszinieren: Klassiker wie 1984 und Schöne neue Welt, Blockbuster wie 2012 oder Gattaca.

ava wird sich nun den gesamten März hindurch dieses vielfältigen Themas annehmen. Wie werden wir in Zukunft leben, essen, arbeiten, uns fortbewegen? Welche Konzepte gibt es, die großen Probleme der Gesellschaft und der Welt in den Griff zu bekommen? Wo werden unsere Lebensmittel herkommen, welche Fortschritte macht die Medizin? Und natürlich die Frage, welche Rolle speziell Frauen in ZUKUNFT spielen werden.

Zum ersten Mal haben die Leserinnen eines Magazins über dessen ZUKUNFT abgestimmt und das Thema der nächsten Ausgabe bestimmt. Das ist bei ava Programm, denn wir schreiben, was Sie lesen wollen. Ich persönlich glaube, dass dies ein Magazin-Konzept der ZUKUNFT ist: Individueller Journalismus auf Basis der Wünsche der Leserinnen statt unpersönliche Massenmedien. Und meine kleine persönliche Glaskugel sagt mir, dass sich die gesamte Wirtschaft nach und nach in eine solche Richtung entwickeln wird: weg vom Massenprodukt, hin zu maßgeschneiderten Angeboten, die den tatsächlichen Wünschen der Kunden entsprechen. Der eine oder andere Wirtschaftswissenschaftler und Zukunftsforscher zeichnet ein ähnliches Bild. Mit ava wollen wir im Bereich des Journalismus Vorreiter sein.

Natürlich ist mein persönliches Denken an die Zukunft geprägt von Hoffnung und Bangen, schließlich gehe ich mit ava als Unternehmerin auch hohe Risiken ein. Aber die Utopie, dass Menschen nicht mehr nur konsumieren, sondern ihre ZUKUNFT in die eigene Hand nehmen und aktiv gestalten, spornt mich an. Und je größer unsere Community wird, desto besser werden wir von ava ein Magazin der ZUKUNFT sein können, ein Frauen-Magazin 3.0.

Schön, dass Sie jetzt schon bei der ZUKUNFT dabei sind!

Herzliche Grüße,

Ihre Dorothea Palte
ava-Chefredakteurin

Diskussionen, Vorschläge, Abstimmung: Als registrierte ava-Leserin haben Sie Zugang zur ava-Community