| Specials - Editorial |
| Mittwoch, 20. Januar 2010 |
Liebe Leserin,als wir überlegten, welchen Schwerpunkt unsere erste ava-Ausgabe haben sollte, waren wir sicher: Es soll etwas Universelles sein. Ein Thema, mit dem sich jede Frau identifizieren kann. Und ein Begriff, der facettenreich ist, viel Raum für verschiedene Interpretationen lässt.
Und so kamen wir auf die Freundschaft. Es mag wohl kaum jemanden geben, der von sich sagt, gar keine Freunde zu besitzen. Aber die Definitionen des Begriffs „Freundschaft“ sind sicher sehr verschieden. Wie die persönlichen Erfahrungen unterschiedlich sind, sind es auch die Herangehensweisen unserer AutorInnen an die Freundschaft: Sie kann mit Glück, aber auch mit tiefem Leid und Trauer verbunden sein. Sie kann einem über schwere Zeiten hinweg, bei Problemen helfen, aber auch selbst Quell von Verletzung sein.
Wie eine Liebesbeziehung, impliziert Freundschaft immer mindestens zwei Menschen. Und ist gleichzeitig wichtig für die Definition des Einzelnen. Und wie die Liebe, will auch eine Freundschaft gehegt und gepflegt werden. Dann ist sie oftmals beständiger als die romantische Liebe.
Und die Freundschaft ersetzt heute als verbindenden Gesellschaftsfaktor mehr und mehr die Familie oder die Nachbarschaft bzw. Gemeinde. Freundschaft ist unabhängig von Blutsbanden oder lokaler Nähe. In Zeiten immer größerer Mobilität, steigender Zahl von Single-Haushalten und hohen Scheidungsraten gibt uns die Freundschaft den nötigen Halt.
Als Teenager warf mir meine Großmutter einmal vor, dass meine Freunde mir wichtiger seien, als meine Familie. In jugendlichem Zorn polterte ich ihr entgegen: „Meine Freunde kann ich mir wenigstens aussuchen, meine Familie nicht!“ Erst heute weiß ich, wie viel mehr hinter diesem Ausbruch steckt: Freundschaft basiert auf Freiheit und Freiwilligkeit. Doch auf dieser Basis entwickeln sich manchmal eine Abhängigkeit, eine Verbindlichkeit, die derer in einer Familie gar nicht so unähnlich ist. Doch ich weiß heute auch, wie sehr ich meine Oma damit verletzt habe. Denn sie hatte keine Freunde. Ihre Beziehungen zu anderen Menschen entsprangen ausschließlich familiären und lokalen Wurzeln. Erst spät in ihrem Leben begann sie, Freundschaften aufzubauen und zu pflegen. Vielleicht zu spät, denn Freundschaft braucht Zeit und viele gemeinsame Erfahrungen.
In Zeiten des Internet, Skype und Facebook sind wir nicht mehr auf die lokale Nähe angewiesen, damit Menschen zu Freunden werden oder solche bleiben. Manchmal helfen die technischen Möglichkeiten auch, sporadischen Kontakt zu halten, so dass das kleine Pflänzchen keimen und beim Wiedersehen zu wahrer Freundschaft erwachsen kann.
Diesem vielseitigen Phänomen Freundschaft haben wir unsere erste ava-Ausgabe gewidmet. Bis Ende Februar wird jeden Tag ein neuer Artikel rund um die Freundschaft erscheinen. Wir hoffen, dass wir sie damit zum Nachdenken anregen und dass Sie Ihre Gedanken mit uns und den anderen ava-Abonnentinnen in unserem Forum – der ava-Community – teilen.
So wie wir für den Februar die Freundschaft ausgesucht haben, liegt es nun an Ihnen, sich das März-Thema zu überlegen! In der Redaktionskonferenz (verlinken) können Sie Ihre Themenvorschläge machen und darüber abstimmen, welches Thema die März-ava füllen soll. Redaktionsschluss ist der 14. Februar, 18 Uhr.
Wir hoffen, dass Ihnen diese neue Art von Frauen-Magazin gefällt: Wirklich interaktiv, ohne Werbung, reduziert aufs Wesentliche. Klare Optik für klare Gedanken. Auch wenn die Welt manchmal sehr kompliziert erscheint.
Ich freue mich auf spannende Diskussionen mit Ihnen und natürlich auf Ihre Themenvorschläge für ava.
Herzliche Grüße
Ihre Dorothea Palte ava-Chefredakteurin |
